Marcellvs L.
Marcellvs L. (*1980) bricht in seinen Arbeiten mit unserer alltäglichen Erfahrung von Zeit, indem er seine Videos durch Verzicht auf jegliche Handlung extrem entschleunigt. Seine künstlerische Methode verweist damit auf das erweiterte Zeitverständnis im Sinne von Henri Bergsons Begriff der „Intuition der Dauer“. Bergson setzte der wirklichen Zeit die psychisch erfahrene Zeit als "Dauer" entgegen. Mit festen Kameraeinstellungen, der Aufnahme von alltäglichen Motiven wie einem Boot, Passanten, einem S-Bahnhof oder ein Mahnmal und ohne festes Drehbuch erzielt Marcellvs ebendiese Entschleunigung des Moments, der den Blick für scheinbar belanglose Details schärft. Letztendlich sind es die peripheren, kleinen Dinge mit der voranschreitenden Zeit bildbestimmend werden und uns beginnen zu interessieren. Auch der Ton verliert, selbst nach der Bearbeitung am Computer, nichts von seiner Zufälligkeit und gibt die aufgenommene Situation in „Echtzeit“ wieder. Im Gegenteil er macht die aufgenommen Szene sogar noch physischer erfahrbar. Marcellvs findet diese Situationen und entdeckt deren Besonderheiten indem er sie in den Mittelpunkt rückt, ihnen Zeit und damit die volle Aufmerksamkeit schenkt – so auch in „Spree“ (2007). Wie schon in früheren Arbeiten sind Boot und Wasser wiederkehrende Elemente (ebbing.flowing, 2006). Selbst nicht im Bild nimmt die Spree Einfluss auf die Bewegung im Bild, bestehend aus einer Komposition von Außenaufnahmen von einem Hausboot und einem Haus. Damit, sowie durch die Zeitdehnung und den Einbezug natürlicher wie zufälliger Einflüsse erhalten seine Arbeiten ein geradezu kontemplatives Moment und bieten eine mitunter auch körperliche Erfahrung.
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